Wenn du ein Einzelunternehmen oder eine Personengesellschaft führst, taucht in deiner Buchhaltung früher oder später ein besonderes Konto auf: das Privatkonto. Es begleitet dich das ganze Jahr, sammelt alles, was zwischen dir als Inhaber und deiner Firma privat hin- und herfliesst, und wird am Jahresende sauber mit dem Eigenkapital verrechnet. In diesem Beitrag zeigen wir dir konkret, was ein Privatkonto ist, wie du Privatbezüge, Privateinlagen, Naturalbezüge, Eigenverbrauch und den Privatanteil am Geschäftsauto verbuchst und worin der grosse Unterschied zur AG oder GmbH liegt.
Was ist ein Privatkonto in der Schweizer Buchhaltung?
Das Privatkonto ist ein Eigenkapitalkonto. Es existiert nur bei Rechtsformen, bei denen Inhaber und Unternehmen rechtlich dieselbe Person sind: dem Einzelunternehmen und den Personengesellschaften (Kollektiv- und Kommanditgesellschaft). In diesen Fällen gibt es keine klare rechtliche Trennung zwischen dem Geschäftsvermögen und dem Privatvermögen des Inhabers. Genau diese Vermischung bildet das Privatkonto sauber ab.
Über das Privatkonto läuft alles, was der Inhaber der Firma entnimmt oder in die Firma einlegt, ohne dass ein echtes Geschäft mit einem Dritten dahintersteht. Ziehst du für private Zwecke Geld aus der Kasse, ist das ein Privatbezug. Schiesst du privates Geld ein, um eine Rechnung zu decken, ist das eine Privateinlage. Das Privatkonto ist damit ein Sammel- und Verrechnungskonto, das während des Jahres wächst und schrumpft und am Ende gegen das Kapitalkonto abgeschlossen wird.
Im schweizerischen KMU-Kontenrahmen findest du das Privatkonto typischerweise als Konto 2850 im Eigenkapital. Es ist also kein Aufwands- oder Ertragskonto und beeinflusst deinen Geschäftserfolg nicht direkt. Wer die Systematik dahinter verstehen will, findet in unserem Beitrag Was ist Buchhaltung? die passende Grundlage.
Warum brauchen nur Einzelunternehmen und Personengesellschaften ein Privatkonto?
Der Grund liegt in der Rechtsform. Beim Einzelunternehmen bist du und dein Betrieb aus rechtlicher Sicht eine Einheit. Es gibt keinen Arbeitsvertrag mit dir selbst und keinen Lohn im arbeitsrechtlichen Sinn. Was du zum Leben brauchst, entnimmst du direkt aus dem Unternehmen. Damit diese Entnahmen nicht als Aufwand den Gewinn schmälern, wandern sie nicht in die Erfolgsrechnung, sondern über das Privatkonto ins Eigenkapital.
Bei einer AG oder GmbH ist das anders. Dort ist die Gesellschaft eine eigene juristische Person. Der Inhaber, der mitarbeitet, ist Angestellter seiner eigenen Firma und bezieht einen ordentlichen Lohn. Dieser Lohn ist Personalaufwand und wird ganz normal über die Erfolgsrechnung verbucht. Ein Privatkonto im hier beschriebenen Sinn braucht es dort nicht. Auf diesen Unterschied gehen wir weiter unten noch genauer ein.
Diese Logik ist eng mit den allgemeinen Regeln der Rechnungslegung verknüpft. Wenn du dich in die dahinterliegenden Prinzipien einlesen willst, lohnt sich unser Artikel zu den Buchhaltungsgrundsätzen.
Wie buchst du einen Privatbezug?
Ein Privatbezug entsteht, wenn du dem Unternehmen für private Zwecke Mittel entnimmst. Der Klassiker ist die Barentnahme aus der Kasse oder eine Überweisung vom Geschäftskonto auf dein privates Konto. Buchhalterisch belastest du das Privatkonto und entlastest das Geldkonto.
Beispiel: Du entnimmst 3’000 Franken aus dem Geschäftskonto für deine privaten Lebenshaltungskosten.
| Geschäftsvorfall |
Soll |
Haben |
Betrag |
| Barentnahme für privaten Bedarf |
2850 Privatkonto |
1020 Bank |
3’000 |
Das Privatkonto wird im Soll belastet. Da es ein Eigenkapitalkonto ist und Eigenkapital im Haben geführt wird, reduziert diese Sollbuchung faktisch dein Eigenkapital. Genau das ist gewollt: Du hast dem Unternehmen Mittel entzogen, also sinkt dein Anteil am Betrieb. Wichtig ist, dass ein Privatbezug niemals Aufwand ist. Er hat mit dem betrieblichen Erfolg nichts zu tun und darf den Gewinn nicht verändern.
Wie buchst du eine Privateinlage?
Die Privateinlage ist das Gegenstück zum Privatbezug. Du bringst privates Geld oder private Vermögenswerte ins Unternehmen ein, zum Beispiel um einen Liquiditätsengpass zu überbrücken oder eine grössere Anschaffung zu finanzieren. Buchhalterisch belastest du das Geldkonto und entlastest das Privatkonto.
Beispiel: Du legst 5’000 Franken aus deinem privaten Ersparten in die Firmenkasse ein.
| Geschäftsvorfall |
Soll |
Haben |
Betrag |
| Privateinlage in die Kasse |
1000 Kasse |
2850 Privatkonto |
5’000 |
Hier steht das Privatkonto im Haben und erhöht damit das Eigenkapital. Das ergibt Sinn, denn du hast dem Unternehmen zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt und dein Anteil am Betrieb steigt. Über das Jahr sammeln sich auf dem Privatkonto also sowohl Sollbuchungen (Bezüge) als auch Habenbuchungen (Einlagen). Der Saldo zeigt am Ende, ob du unter dem Strich mehr entnommen oder mehr eingelegt hast.
Wie werden Naturalbezüge und Eigenverbrauch verbucht?
Nicht jeder Privatbezug ist ein Geldbezug. Entnimmst du Waren oder Dienstleistungen aus deinem Betrieb für den privaten Gebrauch, spricht man von Naturalbezug oder Eigenverbrauch. Ein Bäcker, der Brot für die eigene Familie mitnimmt, oder eine Malerin, die ihre private Wohnung mit Geschäftsmaterial streicht, sind typische Fälle. Auch diese Entnahmen gehören auf das Privatkonto, damit der Aufwand der Firma korrekt korrigiert wird.
Buchhalterisch belastest du das Privatkonto und entlastest je nach Art den Warenaufwand, den Materialaufwand oder einen entsprechenden Ertrag. Der Wert bemisst sich in der Regel am Verkaufswert oder an branchenüblichen Pauschalen der Steuerverwaltung.
| Geschäftsvorfall |
Soll |
Haben |
Betrag |
| Warenentnahme für den privaten Gebrauch |
2850 Privatkonto |
4200 Warenaufwand |
800 |
Beim Eigenverbrauch kommt in der Schweiz die Mehrwertsteuer ins Spiel. Bist du MWST-pflichtig und hast auf den bezogenen Waren beim Einkauf den Vorsteuerabzug geltend gemacht, musst du auf dem Eigenverbrauch die MWST abrechnen. Der Eigenverbrauch stellt sicher, dass private Nutzung nicht unversteuert bleibt. Die geschuldete MWST buchst du zusätzlich über das Privatkonto gegen die Umsatzsteuerschuld. So bleibt die Abgrenzung zwischen Geschäft und Privat auch steuerlich sauber.
Wie buchst du den Privatanteil am Geschäftsauto?
Ein Sonderfall, der viele KMU beschäftigt, ist der Privatanteil am Geschäftsfahrzeug. Nutzt du ein Auto, das in der Firmenbuchhaltung steht, auch privat, darf dieser private Nutzungsanteil den Geschäftsaufwand nicht schmälern. Die Steuerpraxis kennt dafür eine Pauschale, die pro Monat einen bestimmten Prozentsatz des Kaufpreises als Privatanteil ansetzt. Dieser Betrag wird dem Privatkonto belastet und korrigiert damit den zu hoch verbuchten Fahrzeugaufwand.
Beispiel: Der jährliche Privatanteil am Geschäftsauto beträgt pauschal 4’800 Franken.
| Geschäftsvorfall |
Soll |
Haben |
Betrag |
| Privatanteil Fahrzeugkosten |
2850 Privatkonto |
6200 Fahrzeugaufwand |
4’800 |
Auch beim Privatanteil Auto ist bei MWST-Pflicht der Eigenverbrauch zu berücksichtigen, denn du hast beim Fahrzeug und beim Unterhalt Vorsteuern abgezogen. Der private Nutzungsanteil unterliegt daher der MWST. Dieselbe Logik gilt sinngemäss für andere gemischt genutzte Positionen, etwa wenn ein Teil der Wohnkosten geschäftlich und ein Teil privat ist.
Warum bezieht der Inhaber Lohn statt Privatbezug bei AG und GmbH?
Hier liegt der zentrale Unterschied zwischen den Rechtsformen. Beim Einzelunternehmen gibt es keinen Inhaberlohn im buchhalterischen Sinn. Was du zum Leben brauchst, entnimmst du als Privatbezug über das Privatkonto. Dein Einkommen ergibt sich am Ende aus dem Geschäftsgewinn, nicht aus einem Lohn. Sozialversicherungsrechtlich giltst du als Selbstständigerwerbender und zahlst deine AHV-Beiträge auf dem Reingewinn deines Betriebs.
Bei einer AG oder GmbH bist du hingegen Angestellter deiner eigenen Gesellschaft. Du beziehst einen ordentlichen Lohn, der als Personalaufwand über die Erfolgsrechnung läuft und den Gewinn der Gesellschaft reduziert. Auf diesem Lohn werden AHV, ALV und die übrigen Sozialabgaben wie bei jedem Angestellten abgerechnet. Ein Privatkonto zur Verbuchung von Lebenshaltungskosten braucht es nicht, denn dein privater Bedarf ist über den Lohn abgedeckt. Entnimmst du darüber hinaus Mittel, ohne dass ein Rechtsgrund besteht, entstehen schnell heikle Themen wie verdeckte Gewinnausschüttungen.
| Merkmal |
Einzelunternehmen / Personengesellschaft |
AG / GmbH |
| Privatkonto vorhanden |
Ja (Konto 2850) |
Nein |
| Entnahme des Inhabers |
Privatbezug über Privatkonto |
Lohn über Personalaufwand |
| Wirkung auf den Gewinn |
Keine (Eigenkapitalbewegung) |
Lohn mindert den Gewinn |
| AHV-Status des Inhabers |
Selbstständigerwerbend |
Unselbstständig (Angestellter) |
| Sozialabgaben-Basis |
Reingewinn des Betriebs |
Bruttolohn |
Wie wird das Privatkonto am Jahresende abgeschlossen?
Das Privatkonto ist ein Unterkonto des Eigenkapitals und wird am Ende des Geschäftsjahres nicht in die Bilanz übernommen, sondern über das Kapitalkonto abgeschlossen. Man saldiert also das Privatkonto und überträgt seinen Saldo auf das Konto 2800 Eigenkapital. Damit fliesst die gesamte Jahresbewegung aus Bezügen und Einlagen ins Kapital ein.
Weist das Privatkonto einen Sollüberhang aus, hast du also mehr entnommen als eingelegt, mindert dieser Betrag dein Eigenkapital. Überwiegen die Einlagen, erhöht sich dein Kapital. Der Abschluss läuft im Rahmen der üblichen Abschlussbuchungen mit:
| Geschäftsvorfall |
Soll |
Haben |
Betrag |
| Abschluss Privatkonto mit Sollüberhang |
2800 Eigenkapital |
2850 Privatkonto |
Saldo |
| Abschluss Privatkonto mit Habenüberhang |
2850 Privatkonto |
2800 Eigenkapital |
Saldo |
Zu Beginn des neuen Geschäftsjahres startet das Privatkonto wieder bei null und sammelt die neuen Bewegungen. Dieser Ablauf ist Teil des ordentlichen Jahresabschlusses. Wie der gesamte Zyklus vom laufenden Buchen bis zum Abschluss aussieht, erklären wir dir Schritt für Schritt im Beitrag Rechnungsabschluss und Buchungszyklus.
Welche typischen Fehler solltest du beim Privatkonto vermeiden?
Der häufigste Fehler ist, Privatbezüge als Aufwand zu verbuchen. Das verfälscht den Gewinn und damit auch die Steuer- und AHV-Basis. Merke dir: Ein Privatbezug ist immer eine Eigenkapitalbewegung, nie Aufwand. Ein zweiter Klassiker ist das Vergessen von Naturalbezügen und Eigenverbrauch. Die Steuerverwaltung erwartet hier realistische Ansätze, und branchenübliche Pauschalen sind dokumentiert. Wer sie ignoriert, riskiert Aufrechnungen.
Ebenfalls oft unterschätzt wird die MWST beim Eigenverbrauch. Sobald du vorsteuerabzugsberechtigt bist und Waren oder Leistungen privat nutzt, gehört der Eigenverbrauch abgerechnet. Ein weiterer Fehler ist das Vermischen von privaten und geschäftlichen Zahlungen ohne Verbuchung: Wer die private Kreditkarte fürs Geschäft nutzt oder umgekehrt, muss jede dieser Bewegungen konsequent über das Privatkonto führen. Und schliesslich lohnt sich Ordnung: Belege für jede Entnahme und Einlage, damit du am Jahresende jeden Franken auf dem Privatkonto erklären kannst. Ein sauber geführtes Privatkonto ist am Ende nicht nur eine Pflichtübung, sondern auch dein bester Nachweis gegenüber der Steuerverwaltung und der AHV-Ausgleichskasse, dass Geschäft und Privat klar getrennt sind. Warum eine saubere Buchhaltung weit über die Pflichterfüllung hinaus nützlich ist, zeigt unser Beitrag zur Bedeutung der Buchhaltung.
Häufige Fragen zum Privatkonto
Was ist ein Privatkonto einfach erklärt?
Ein Privatkonto ist ein Eigenkapitalkonto im Einzelunternehmen und in Personengesellschaften. Darüber laufen alle privaten Bezüge und Einlagen des Inhabers, die nichts mit dem eigentlichen Geschäftsbetrieb zu tun haben. Am Jahresende wird es über das Kapitalkonto abgeschlossen.
Welche Kontonummer hat das Privatkonto im KMU-Kontenrahmen?
Im schweizerischen KMU-Kontenrahmen wird das Privatkonto üblicherweise unter der Nummer 2850 im Eigenkapital geführt. Das Kapitalkonto selbst trägt meist die Nummer 2800.
Ist ein Privatbezug Aufwand?
Nein. Ein Privatbezug ist niemals Aufwand, sondern eine Bewegung im Eigenkapital. Er darf den Geschäftserfolg nicht mindern. Du buchst ihn im Soll des Privatkontos gegen das entsprechende Geld- oder Aufwandkonto.
Wie buche ich eine Privateinlage?
Bei einer Privateinlage belastest du das Geldkonto (zum Beispiel Kasse oder Bank) und schreibst den Betrag dem Privatkonto im Haben gut. Dadurch erhöht sich dein Eigenkapital, weil du dem Unternehmen private Mittel zur Verfügung stellst.
Was ist der Unterschied zwischen Privatkonto und Kapitalkonto?
Das Kapitalkonto zeigt dein dauerhaftes Eigenkapital am Betrieb. Das Privatkonto ist ein unterjähriges Verrechnungskonto für Bezüge und Einlagen. Am Jahresende wird der Saldo des Privatkontos auf das Kapitalkonto übertragen, danach startet das Privatkonto wieder bei null.
Muss ich Naturalbezüge und Eigenverbrauch versteuern?
Ja. Naturalbezüge und Eigenverbrauch gelten als private Nutzung von Geschäftsmitteln und müssen buchhalterisch über das Privatkonto erfasst werden. Bei MWST-Pflicht mit Vorsteuerabzug ist zusätzlich die MWST auf dem Eigenverbrauch abzurechnen.
Wie hoch ist der Privatanteil am Geschäftsauto?
In der Steuerpraxis wird der Privatanteil am Geschäftsfahrzeug pauschal pro Monat als Prozentsatz des Kaufpreises angesetzt und übers Jahr dem Privatkonto belastet. Massgebend sind die aktuellen Vorgaben der Steuerverwaltung. Bei MWST-Pflicht kommt der Eigenverbrauch hinzu.
Bezieht der Inhaber eines Einzelunternehmens Lohn?
Nein. Der Inhaber eines Einzelunternehmens bezieht keinen Lohn im arbeitsrechtlichen Sinn, sondern entnimmt Mittel als Privatbezug. Sein Einkommen ergibt sich aus dem Geschäftsgewinn, auf dem er als Selbstständigerwerbender die AHV-Beiträge zahlt.
Warum hat eine GmbH oder AG kein Privatkonto?
Weil die AG und die GmbH eigene juristische Personen sind. Der mitarbeitende Inhaber ist Angestellter und bezieht einen ordentlichen Lohn, der als Personalaufwand verbucht wird. Ein Privatkonto zur Erfassung privater Entnahmen braucht es deshalb nicht.
Wie schliesse ich das Privatkonto am Jahresende ab?
Du saldierst das Privatkonto und überträgst den Saldo auf das Kapitalkonto 2800. Ein Sollüberhang mindert dein Eigenkapital, ein Habenüberhang erhöht es. Danach ist das Privatkonto ausgeglichen und startet im neuen Jahr wieder bei null.
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